XUNAN - THE LADY

Gertrude Düby Blom

Dokumentarfilm 1983

108 Minuten, 16mm, f

​Originalversion mit Untertitel d

Schweizerdeutsch / Maya / Spanisch / Englisch

 

Link zum Film als Download auf LORY der Universität Luzern

 

Chan K'in Viecho  von Naha:

»Ah, es ist wahr, früher war alles anders. Es ist nicht mehr wie es war. Damals als Gerdrud kam ... Jetzt gibt es Veränderungen. Alle Leute hier sind anders geworden und sie verändern sich sogar noch mehr. Ich würde sagen, innerhalb von einem Jahr oder so, werden sie Hosen tragen und sogar so weit gehen ihr Haar kurz zu schneiden.«

 

Buch Margrit Keller

Mitarbeit Buch Jan de Jos Mexico D.F.

Regie Margrit Keller  Peter von Gunten

Kamera Peter von Gunten

Ton Thomas Pfister  Pavol Jasovsky

Schnitt Fredi M. Murer

Musik Chan K'in Viecho u. Ritualgesänge

FESTIVALS UND AUSZEICHNUNGEN

Internationale Filmwoche Mannheim,

Filmex Los Angeles

BAK Bundesamt für Kultur  Ausgezeichnet mit Prämie

 

HINTERGRUND

Seit 40 Jahren lebt die Bernerin Gertrude Düby-Blom im Süden Mexikos, in San Christobal de las Casas, Chiapas. Sie widmet ihr Leben dem Kampf für den Lebensraum der Lacandonen, hofft ihre Kultur vor dem Aussterben retten zu können  und setzt sich für die Erhaltung des Regenwaldes ein. Die Lacandonen werden als die letzten direkten Nachkommen der Mayas bezeichnet. Chan K'in, der alte weise Mann der Lacandonen sagt zur heutigen Situation:

 

»Damals, als Lady Gertrude kam, war alles anders. Die Lacandonen stellten die verschiedensten Dinge aus Hanf her. Sie trugen ihre Tunikas, Netze, Pfeile und alles. Die Missionare waren es, die diese Veränderungen in Gang setzten. Heute kommen so viele Leute. Die Lacandonen haben sich verändert. Sie tragen Hosen, geben das Weben und das Baumwoll-produzieren auf, sie schneiden sich sogar ihr Haar kurz. Ich möchte sagen, dass die Ankunft der Lastwagen der Mahagony-Fäller der Grund für diese Veränderungen sind. Was die Lacandonen wollen, ist nichts anderes als das Kommen der 'Ladinos' und der Ausländer. Die Ankunft ihrer (neuen) Götter. Schon bei den kleinen Kindern sieht man das. Ich weiss nicht, was los ist mit Ihnen, was Ihnen fehlt.«

 

TEXTE ZUM FILM

 

»Der Film ist – im weitesten Sinne – ein Portrait über die 1901 im Kanton Bern geborene Gertrude Düby-Blom, die sich vor dem 2. Weltkrieg gegen die Nazis und in der Widerstandsbewegung engangierte. Nach einer Verhaftung in Frankreich und ihre durch die Schweizer Behörden erwirkte Freilassung emigrierte sie erst in die USA. Durch ihre Flüchtlingsarbeit kam sie nach Mexiko, wo sie sich in Chiapas niederließ. Hier kämpfte sie während Jahrzehnten für das Überleben der Lacandonen, diesen letzten direkten Nachkommen der Mayas. In den vergangenen Jahren mußte sie erkennen, daß auch sie nicht in der Lage war, den Niedergang der indigenen Kultur aufzuhalten. Als 'Projekt meines letzten Lebens' bezeichnet sie ihre Baumschule, die der Wiederaufforstung dienen soll.«

 

(EZEF - Evangelisches Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit: Agentur für Filme aus dem Süden, leicht redigiert und ergänzt durch PvG)

E-Book: ISBN 978-3-0340-6458-3

Felix Rauh,  Bewegte Bilder für eine entwickelte Welt  Chronos Verlag

zenodo.org

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FILMKRITIK

 

XUNAN berichtet von der Vernichtung des tropischen Regenwaldes in Südmexiko:  » (...) Die Abholzung geht weniger unmerklich vor sich als bei uns (Anm.: in der Schweiz), sieht mehr nach aktivem Töten aus, nimmt sich - wie manches in der dritten Welt - generell brutaler aus als bei uns und betrifft uns doch mehr, als auf den ersten Blick anzunehmen wäre. In Südmexiko wird der Dschungel und damit der Lebensraum der dort ansässigen Indigenen systematisch von multinationalen Gesellschaften abgeholzt. Einerseits verschafft man sich Zugang zu entlegenen Erdölfeldern, anderseits wird damit Edelholz für den Export bereitgestellt (...) XUNAN ist ein Film über diese Problematik. An erster Stelle aber ist es das Porträt einer Frau, die, auf ganz besondere Weise mit dem Schicksal der Lakandonen verbunden, fast ihr ganzes Leben der Erhaltung einer untergehenden Kulturgemeinschaft verschrieben hat.

 

Die 1901 im Kanton Bern geborene Gertrude Düby Blom ist The Lady, die in den Vierzigerjahren aus ethnologischem, humanistischem Interesse Zugang zu dem damals nur 200 Köpfe zählenden Volk der Lakandondnen fand. Seither setzt sich Gertrude Düby Blom für das Überleben dieses Volkes ein, kämpft auf fast verlorenem Posten gegen das Fortschreiten der Zivilisation und gegen einen anonymen Feind, der multinationale Gesellschaft heisst.

 

Der ganz unprätentiöse, eindrücklich fotografierte Film führt den Zuschauer in den tropischen Regenwald und zu Chan K'in, einem alten Indigenen, der in einfachen, klaren Worten den Untergang seiner Kultur konstatiert. Er ist der letzte, der die Lebensweise pflegt. Seine Söhne fahren bereits Auto, sie arbeiten für die Holzgesellschaften und verkaufen diesen ihren einzigen Besitz, ihren Lebensraum. Düby Blom hält sie zur Wiederaufforstung an, sie tut es mit imperativem, aristokratischem Gestus, sie versucht eine aus den traditionellen Fugen geratene Welt mit starker Hand ins Lot zu bringen. Sie wird damit selbst zur exotischen Gestalt und zieht Ethnotouristen aus der halben Welt an: Ihr Heim wird zum Wallfahrtsort. Diese Problematik verschweigt der Film, der auf sachliche, unpathetische Art die Arbeit Düby Bloms würdigt, keineswegs.«

 

(Peter Schneider, Züri-Tipp, 4.11.1983)

 

Diese Frau, aus einem mittelständisch-gutbürgerlichen Milieu, kämpfte während Jahrzehnten um das Überleben der 'letzten direkten Nachkommen der May' und wurde deshalb oft als 'weisse Mutter der Lacandonen' bezeichnet. Sie musste erkennen, dass sie als Europäerin den Einfluss der Zivilisation auf die indianische Kultur nicht aufhalten konnte. Also begann sie gegen die Zerstörung des Regenwaldes zu Kämpfen: alljahrlich pfanzt sie 30'000 Bäumchen in ihrer Baumschule und leitet Einheimische in der Wiederaufforstung an. Ein widersinniges, absurdes Unterfangen angesichts der Übermacht der zerstörerischer Kräfte? Gertrude Düby-Blom - nicht nur individuelles Schicksal, sondern beispielhafte Gestalt für das widersprüchliche Verhältnis europäischer Tradition zu Ereignissen in der 'Der Dritten Welt'.

Margrit Keller

 

'Traurige Tropen' (Claude Lévi-Strauss) könnte dieser Film auch heissen. Was die spanischen Eroberer nicht fertig brachten, weil der fast undurchdingliche tropische Wald den indogenen Gruppen einen natürlichen Schutz vor Verfolgung bot, das vollendete das 20. Jahrhundert: Die kulturelle Entwurzelung und zivilisatorische Kolonisation der bis dahin weitgehend autonom lebenden Lacandonen. Chicleros (Gummi-Sammler), Mahagony-Fäller, Missionare, Ladinos, landlose Campesinos, Ethnologen, Antropologen, Holz- und Oelgesellschaften, Touristen und Filmer, alle haben bewusst oder unbewusst dazu beigetragen, dass der alte Chan K'in, der alte weise Lacandone, heute weiss, nach seinem Tod wird kaum jemand mehr die Traditionen, das Götterhaus, die Göttertöpfe pflegen; er weiss, mit ihm stirbt diese Kultur.

Peter von Gunten

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WEITERE PRODUKTIONSANGABEN

 

CAST

Gertrude Düby-Blom

Chan K'in (el Sabio)

Lakandonen in Chiapas

CREW

Maya-Übersetzung Robert D. Bruce Mexico D.F.

Skriptprokokoll Monica Iseli

Schnittassistenz Kathrin Pluess

STUDIOTECHNIK

Labor Schwarz-Filmtechnik Bern Ostermundigen  Lichtbestimmung Ruth Kägi

Tonstudio Sonor-Film  Mischung Peter Begert

 

PRODUKTION

Eine Co-Produktion Margrit Keller Zürich  CINOV Filmproduktion Bern

Ausführende Produzentin CINOV AG Filmproduktion Bern

Produktionsbegleitung Monica Iseli

 

Produziert mit Beiträgen von

Westdeutscher Rundfunk Köln Redaktion Gerhard Honal

WWF Schweiz World Wildlife Fund  Erziehungsdirektion des Kantons Bern  Präsidialabteilung der Stadt Bern

Georges Mayor Zürich  Guido Pidermann Zürich  Evang. Landeskirche des Kantons Zürich   

 

© SUISSIMAGE

Verleih und Vertrieb Weltrechte CINOV AG Bern (ausser eglischsprachige  Länder)

englischsprachiger Verleih und Vertrieb exklusiv bei Margrit Keller CH